Gemeinde Wormeldange

im Interview Jean Beining, Bürgermeister

Zäit ze Wunnen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ihnen, den Lesern, die Schönheit und Sehenswürdigkeiten des Großherzogtums näher zu bringen. Dazu waren wir diesmal in Wormeldange. Die Gemeinde hat 2870 Einwohner und liegt im Kanton Grevenmacher, direkt an der Mosel. Über eine Brücke ist sie mit dem deutschen Ort Wincheringen verbunden. Auf Grund seiner prädestinierten Lage, ist Wormeldange ein Paradies für Riesling-Liebhaber. Die Reben wachsen auf rund 60 der insgesamt 360 Hektar Weinberge, die zur Gemeinde gehören. Seit neun Jahren ist Jean Beining hier Bürgermeister. Im Gespräch erzählt er, was seine Gemeinde auszeichnet.

Zäit ze wunnen: Herr Beining, was macht Ihre Gemeinde lebenswert?

Jean Beining: Wir sind eine ländliche Gemeinde und wollen es auch bleiben. Nichtsdestotrotz ist unsere Region – vielleicht gerade wegen der angenehmen Ruhe hier – für Touristen sehr attraktiv. Wir haben viel Natur zur Entspannung, die malerische Moseldirekt vor der Haustür und natürlich den besonderen Charme der Weinberge. Es gibt zahlreiche Wanderwege und Erholungsangebote. Darüber hinaus regionale Köstlichkeiten wie den Wein, Obst- oder Weinbrand. Das möchten wir uns erhalten. Wir möchten die wunderschöne Natur hier bewahren und uns dadurch gleichzeitig für den Tourismus attraktiv machen.

Zäit ze wunnen: Mit welchen Problemen sehen Sie sich in der Gemeinde konfrontiert?

Jean Beining: Unser größtes Problem ist der Pendelverkehr zwischen Deutschland und Luxemburg. Wir verzeichnen täglich zirka 5000 Bewegungen auf der Verbindungs-Brücke. Das ist für alle sehr anstrengend und beeinträchtigt natürlich die Lebensqualität der Bürger. Unser Ziel ist es, mehrere Sammelparkplätze im Grenzgebiet zu schaffen und Busse einzusetzen, die direkt nach Luxemburg-Stadt fahren. Da wollen schließlich die meisten Pendler hin. Ein weiteres Problem ist der soziale Wohnungsbau. Wir möchten versuchen mehr erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Derlei Projekte sind in der Vergangenheit definitiv zu kurz gekommen.

Zäit ze wunnen: Gibt es in der Gemeinde denn noch Bauland?

Jean Beining: Es gibt noch ausgewiesenes Bauland, das zum Teil wegen seiner Nutzung im Moment nicht zur Verfügung steht. Des Weiteren ist man bestrebt ein großes Baugebiet zu erschließen, wo die Einigung der Grundstücksbesitzer aber auf sich warten lässt. Bei der nächsten Anpassung vom PAG gilt es zuerst die Rahmenbedingungen und Vorgaben abzustecken, um dann zu entscheiden wo weiteres kurzfristig bebaubares Bauland sinnvoll erschlossen werden kann.

Zäit ze wunnen: Wie ist die Gemeinde industriell aufgestellt?

Jean Beining: Wir verfügen über ein recht junges Gewerbegebiet „Op Tomm“. Einige der hier ansässigen Firmen, gab es bereits vorher. Neu erschlossen wurde lediglich das hintere Gebiet. Seit 2012 ist das eine Zone Artisanale.

Zäit ze wunnen: Ist eine Erweiterung des Gewerbegebiets möglich?

Jean Beining: Die Arbeitsplätze müssen auf Landesebene über alle Regionen verteilt werden, dies hat zur Folge, dass weitere Gewerbegebiete im ländlichen Raum entstehen müssten. Eine Erweiterung unserer „zone artisanale“ wäre schon möglich, vorausgesetzt dass diese von den zuständigen Ministerien erlaubt wird. Es würde auch Sinn machen, weitere Betriebe in die Gemeinde aufzunehmen. Meiner Ansicht nach, muss das jedoch nicht in einem Gewerbegebiet sein. Kleine und mittelständische Betriebe lassen sich auch in den Ortschaften gut unterbringen. Ich fände es interessant, eine Vielfalt in der Gemeinde zu schaffen, von der die einzelnen Ortschaften profitieren und neu belebt werden könnten. Gerade für das traditionelle Handwerk wäre dies von Vorteil. Meiner Ansicht nach wird dieser Bereich zu viel abgewertet, was ich eigentlich schade finde.

Zäit ze wunnen: Welche Einrichtungen und Angebote gibt es für Senioren in der Gemeinde?

Jean Beining: Für ein betreutes Wohnheim ist unsere Gemeinde oder die Nachfrage nicht groß genug. Die meisten Senioren versuchen so lange es geht zuhause zu bleiben. Die mobilen Betreuungsdienste arbeiten hier sehr effektiv. In Grevenmacher stehen der Gemeinde auch zwölf Betten zur Verfügung. Zweimal wöchentlich findet ein Senioren-Treff im Centre Culturel statt. Zudem sind wir in das Programm Club Senior Muselheem eingebunden.

Zäit ze wunnen: Welche Projekte, Visionen und Herausforderungen wird die Zukunft bringen?

Jean Beining: Nun, viele habe ich bereits angesprochen. Das Verkehrsproblem muss sinnvoll und effektiv gelöst werden, durch ein besseres Management des Pendlerverkehrs. Es gilt mehr sozialen Wohnraum für unsere Bürger zu schaffen. Die Ortschaften sollen als Standort für eine Vielfalt an kleineren Unternehmen attraktiv gemacht werden. Und schließlich ließe sich auch der Natur-, Erholungs- und Genusstourismus weiter ausbauen. Zudem soll die Gemeinde an die Kläranlage in Grevenmacher angeschlossen werden, die sich derzeit im Bau befindet. Für diese Einspeisung gilt es, die nötigen Infrastrukturen zu schaffen. Das bestehende Abwassernetz muss an die neue Kläranlage angebunden werden. Dies soll mit dem Bau der Radpiste einher gehen.